Eigenthum, das


Eigenthum, das

Das Eigenthum, des -es, plur. inus. ein Hauptwort von dem Beyworte eigen, welches vermittelst der Endsylbe thum gebildet worden, welche hier so wohl ein Recht, als auch das Concretum, oder die Sache selbst bedeutet.

1. Das Recht. 1) In der engsten und schärfsten Bedeutung, das Recht, eine Sache auf beständig mit Ausschließung aller anderen zu gebrauchen, zum Unterschiede von dem Rechte des gegenwärtigen Besitzers. Als das menschliche Geschlecht anfing, sich in Gesellschaften zu bilden, wurde auch das Eigenthum unter demselben eingeführet. Das Eigenthum an etwas haben. Indessen leidet diese engste Bedeutung in manchen Fällen noch verschiedene Einschränkungen. Z.B. an einem Lehen haben zwey Personen das Eigenthum, der Lehensherr, dem das oberste Eigenthum oder Obereigenthum, dominium directum, und der Vasall, dem das nutzbare Eigenthum oder Untereigenthum, dominium utile, zukommt; keiner von beyden kann mit dem Lehen eigenmächtig verfahren.

2) In weiterer Bedeutung, das Recht, eine Sache gegenwärtig mit Ausschließung aller anderen zu gebrauchen, oder auch nur in seiner Gewalt zu haben, das Recht des gegenwärtigen Besitzes. In diesem Verstande heißen Unterpfänder, und andere Dinge, welche man nur auf gewisse Zeit in seiner Gewalt hat, oft ein Eigenthum dessen, der sie besitzet.

3) In der weitesten Bedeutung, das Recht eine Sache zu seinen Bedürfnissen zu gebrauchen; in welchem sehr uneigentlichen Verstande zuweilen eines Eigenthumes über die Luft, des Wassers des Meeres u.s.f. gedacht wird. In allen drey Fällen wird dieses Wort wenig mehr gebraucht, indem der Ausdruck das Recht des Eigenthumes, oder das Eigenthumsrecht, üblicher ist; vermuthlich um die Zweydeutigkeit mit der folgenden Bedeutung zu vermeiden.

2. Eine Sache, welche man vermöge des Eigenthumes oder des Rechts des Eigenthumes besitzet, in allen drey vorigen Bedeutungen, besonders in der ersten eigentlichen. Sein väterliches Eigenthum. Etwas zum Eigenthume bekommen. Ein Eigenthum besitzen. Gottes Eigenthum seyn, 2 Mos. 19, 5. Aber, ein Volk des Eigenthums, oder zum Eigenthum, für ein eigenthümliches Volk, sind morgenländische Arten des Ausdruckes.

Anm. Nieders. Dän. und Schwed. Egendom. Im Holstein. soll dieses Wort auch männlichen Geschlechtes seyn. Obgleich in der zweyten Bedeutung der Plural gar wohl Statt finden könnte, so ist er doch nicht üblich; vielleicht, um nicht eine Zweydeutigkeit mit dem folgenden Worte zu veranlassen.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Eigenthum — ist eine zur Hansestadt Gardelegen gehörende Siedlung in Sachsen Anhalt, in der 18 Einwohner leben. Geografie Die Siedlung liegt nordöstlich des Ortsteils Jeggau an der Landstraße nach Breitenfeld an der Kreuzung eines von Quarnebeck in das… …   Deutsch Wikipedia

  • Eigenthum — (lat. Dominium), 1) im weiteren Sinne Alles, was das Vermögen Jemandes ausmacht; 2) im engern Sinne das Recht der vollständigen u. ausschließlichen Herrschaft über eine körperliche Sache. Das E. ist hiernach das umfassendste, zugleich aber das… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Eigenthum — Eigenthum, im weiteren Sinne alles Vermögensrecht, im engeren Sinne die vollkommene Herrschaft über eine Sache (dominium, proprietas). Stehen Dritten Nutzungsrechte zu, so bleibt den Eigenthümern nur die nuda proprietas. Das E. gehört entweder… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Eigenthum — Aigenthumb ward nie frumb. – Gruter, I, 3; Petri, II, 162; Henisch, 828; Lehmann, II, 120, 1. [Zusätze und Ergänzungen] 2. Eigenthum ist Diebstahl. Dieser in neuerer Zeit in den Volksmund übergegangene Ausspruch ist durch die 1840 erschienene… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Literarisches Eigenthum — Literarisches Eigenthum, das Recht des Verfassers eines schriftstellerischen Werkes auf dasselbe u. in Folge davon das Recht des Verlegers …   Herders Conversations-Lexikon

  • Erbe, das — Das Êrbe, des s, plur. ut nom. sing. ein altes Wort, welches seit tausend Jahren mancherley Veränderungen in seinen Bedeutungen erlitten hat. Dem Ihre nach folgen dessen Bedeutungen so auf einander. 1. Ursprünglich bedeutete es die Erde, wie aus… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Vieh, das — Das Vieh, des es, plur. die e, im gemeinen Leben und im Oberd. er, Diminut. welches doch nur zuweilen im Scherze gebraucht wird, das Viehchen. 1. Im weitesten Verstande, ein jedes unvernünftiges Thier, wie Thier in engerer Bedeutung. (1)… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Recht, das — Das Rêcht, des es, plur. die e, der Zustand, da etwas recht ist, und dasjenige was recht ist, doch nur in einigen Bedeutungen dieses Bey und Nebenwortes. 1. Der Zustand, als ein Abstractum. 1) Der Zustand, da jemandes Worte oder Handlungen mit… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Los, das — Das Los, des es, plur. die e. 1. Ein Stab, Zettel, oder jedes körperliches Ding, vermittelst dessen von dem Ungefähre bestimmten Veränderung Dinge ausgetheilet, und ungewisse oder streitige Sachen entschieden werden. Das Los über etwas werfen, wo …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Gut, das — Das Gut, des es, plur. die Güter, von dem vorigen Bey und Nebenworte. 1. Überhaupt. 1) Ein jedes Ding, welches man mit Lust empfindet, dessen Besitz man sich wünscht, weil man glaubt, daß es unsern Zustand vollkommner mache. 2) In engerer… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart