Farbe, die


Farbe, die

Die Farbe, plur. die -n, Diminut. Färbchen. 1. Die Eigenschaft der Körper, nach welcher sie die Lichtstrahlen so zurück werfen, daß dadurch eine gewisse Empfindung in unsern Augen verursacht wird, welche sich besser empfinden als beschreiben läßt. 1) Eigentlich. Das Gras hat eine grüne, das Gold eine gelbe, das Blut eine rothe, der Schnee eine weiße, die Dinte eine schwarze, der Himmel eine blaue Farbe. Die Farbe fahren lassen, wenn sich ein Körper oder dessen Oberfläche so verändert, daß er nicht mehr eben dieselben Lichtstrahlen zurück wirft, als vorher, welches man auch verschießen nennet. Die Farbe halten, behalten. Die Farbe gehet aus, ist ausgegangen. Er urtheilet, wie der Blinde von der Farbe, ohne alle Kenntniß. Die Farbe halten, ein im gemeinen Leben üblicher figürlicher Ausdruck, in der Probe wahr oder echt befunden werden. Die Lügen halten die Farbe nicht. Freunde, die uns Farbe halten, welche treu, beständig sind, Günth.


Wie des Gelückes Mund nicht Wort und Farbe hält,

Hofmannsw.


2) In engerer Bedeutung gehöret schwarz nicht mit unter die Farben, weil es eigentlich ein Mangel aller Farbe ist. Einige Lehrer der Wapenkunst machen einen unnöthigen Unterschied unter Farben und Tincturen, und rechnen zu jenen nur roth, blau, grün und schwarz; zu diesen aber Gold und Silber, oder gelb und weiß. In noch engerm Verstande bezeichnet dieser Ausdruck die natürliche gesunde Gesichtsfarbe. Der Kranke hat alle Farbe verloren. Er bekommt wieder Farbe. Er veränderte die Farbe, ward aus Antrieb des bösen Gewissens blaß oder roth. Bey den Weißgärbern bezeichnet dieses Wort die gelbe Farbe, welche das gewalkte Leder, wenn es auf einen Haufen gesetzt wird, durch seine innere Hitze bekömmt. In der Farbe liegen, um deßwillen über einander liegen. 3) Figürlich. Immer in Einer Farbe singen, in der Musik, mit einerley Stärke oder Schwäche des Tones.

2. Diejenigen Körper, welche der Oberfläche anderer Körper diese Eigenschaft mittheilen. 1) Eigentlich. Trockene, nasse Farben, mineralische Farben. Erdfarbe, Saftfarbe. Mahlerfarbe, Öhlfarbe, Wasserfarbe, Färberfarbe u.s.f. Farben reiben, auftragen, brechen, mit andern vermischen u.s.f. Der Zeug nimmt die Farbe nicht an. Halbe Farben, gebrochene Farben, S. Mittelfarbe. Einen Zeug durch die Farbe gehen lassen, bey den Färbern, ihn in die zubereitete Farbe tauchen. 2) In engerer Bedeutung bezeichnet dieses Wort oft einzelne Arten färbender Körper. So verstehen die Buch- und Kupferdrucker unter Farbe die schwarze Farbe, mit welcher die Bücher und Kupfer gedruckt werden. 3) Figürlich, die Art und Weise, wie man eine Sache vorstellt. Man hat dich mit sehr häßlichen Farben bey mir abgemahlt.


Verfolgung, Mißgunst, Haß wird ihnen Farben leihn,

Weiße.


Besonders, das gute Ansehen, welches man einer schlechten Sache giebt. Seinem Vorhaben eine schöne Farbe geben. Er weiß seiner Sache eine gute Farbe zu geben. Einer Sache eine Farbe, ein Färbchen anstreichen, sie von der guten Seite vorstellen.

3. Gefärbte Körper, sie mögen nun durch die Kunst oder von Natur gefärbt seyn. 1) Bey den Jägern, Köchen und Salzsiedern verstehet man unter diesem Ausdrucke das Blut. Die Köche thun Farbe an verschiedene Speisen. In den Salzwerken gießet man Farbe, d.i. Rindsblut, an das kochende Salzwasser, damit es besser schäume und sich reinige. 2) In dem Kartenspiele bezeichnet dieser Ausdruck diejenigen Karten, welche einerley Art von Zeichen führen. Diese vier Farben sind Pik, Cör, Treffle und Caro. Eine Farbe anspielen, ausspielen. Eine Farbe verleugnen, bekennen. Mit einer Farbe einstechen, d.i. stechen. In einigen Spielen druckt dieses Wort auch die herrschende Farbe eines Spieles, den Trumpf aus. 3) Die Liveree, eine größten Theils veraltete Bedeutung. Jemandes Farbe tragen. Hoffarbe, Staatsfarbe.

4. Der Ort, wo gefärbet wird. So wird die Werkstätte eines Färbers im gemeinen Leben oft die Farbe genannt.

Anm. Dieses Wort lautet in der heutigen Bedeutung bey dem Kero Farauuii, bey dem Ottfried Farauui, bey dem Notker Fareuua, im 12ten Jahrhunderte Varwe und Variwa, im Dän. Farve, im Böhm. Barwa, im Pohln. Farba, im Schwed. aber Faerg. Isidors Übersetzer gebraucht es für Gestalt; Scalches farauua heißt bey ihm Knechtsgestalt. Wachter leitet dieses Wort von wahren, sehen, her, Ihre aber rechnet es zu dem Geschlechte des Latein. varius, welches dadurch wahrscheinlicher wird, weil in manchen alten Mundarten für Farbe nur Var und Far üblich war.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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