Kolbe, die


Kolbe, die

Die Kolbe, plur. die -n, oder der Kolben, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Kölbchen, Oberd. Kölblein, im gemeinen Leben Kölbel, ein Wort, welches überhaupt den Begriff der Ründe und besonders einer kurzen dicken Ründe hat, und so wohl ein dickes rundliches Theil, als auch einen damit versehenen Körper bezeichnet.

1) Ein dickes rundliches Stück, so wohl allein für sich betrachtet, als auch in so fern es sich an einem andern Körper befindet. So wird der dickere rundliche Theil an einer Keule, der dickere Theil eines Schießgewehres, vermuthlich so fern er sich ehedem mehr der runden Gestalt näherte, und welcher auch der Anschlag heißt, die Kolbe oder der Kolben genannt. Der Kopf an Menschen, besonders ein glatter geschorner Kopf, heißt im gemeinen Leben mehrmahls die Kolbe. Daher die niedrige figürliche R.A. einem Narren die Kolbe lausen, ihn durch Schlüge zur Vernunft bringen, weil die erklärten Narren vom Handwerke schon von alten Zeiten her geschorne Köpfe tragen. So fern man auch sagt, einen Narren mit Kolben lausen, gehöret es zur folgenden Bedeutung einer Keule. Auch der glatte dicke Kopf eines Bockes ohne Hörner heißt die Kolbe, und ein solcher Bock, der von Natur keine Hörner hat, ein humliger oder kolbiger Bock, Kolbenbock. Die Griechen nannten ihn κολοβος, in der Lakonischen Mundart κολορ. Bey den Jägern wird das junge, welche, noch nicht verendete Geweih der Hirsche die Kolben genannt; S. Kolbenhirsch. An den Haaren sind die Kolben die dickern Wurzeln derselben, mit welchen sie in der Haut befestiget sind. Die büscheligen Samenähren einiger Arten der Hirse heißen Kolben, zum Unterschiede von den zotigen Rispen anderer Arten. Die walzenförmigen Kätzchen gewisser Schilfgewächse führen den Nahmen der Kolben, welchen auch diese Gewächse selbst bekommen; dergleichen die Rohrkolbe, Narrenkolbe, Teichkolbe oder Wasserkolbe, Typha L. und die Igelskolbe, Sparganium L. ist. Im Hüttenbaue heißt das Ende des Tragestämpels, welcher in das Bühnloch geleget wird, der Kolben. Auf den Eisenhämmern führen diesen Nahmen diejenigen Stücke Eisen, aus welchen das Stabeisen geschmiedet wird, und auf den Blechhämmern werden die eine halbe Elle langen viereckigen Stücke Stäbe Eisen, welche aus den Deulen (Theilen) und Stürzen geschmiedet werden, und welche der Kölbelaufheber unter den Zainhammer bringt, sie breit zu schmieden, Kölbel genannt. Bey den Uhrmachern ist der Kolben die kegelförmige Spitze an dem Kolbenzirkel. In der Geschützkunst ist es der gedrechselte dickere Theil an dem Setzer, dem Wischer und der Ladeschaufel; anderer Fälle zu geschweigen.

2) Ein mit einem solchen dickern, gemeiniglich rundlichen Ende versehenes Ding oder Werkzeug. So wurde eine Keule ehedem häufig ein Kolben genannt, S. Streitkolben und Kolbenrecht. Bey dem Ottfried Kolbon, in den Monseeischen Glossen Cholpo, im mittlern Lat. Colum, im Nieders. Kulf, im Schwed. Kolf, im Isländ. Kylfa, im Dän. Kolle. An einigen Orten haben die Schäfer und Hirten noch jetzt Kolben, d.i. dicke Stecken mit einem Kolben, oder rundlichen gebogenen Knollen am Ende, sich damit gegen den Wolf zu wehren. Jemanden mit der Kolbe lausen, in den niedrigen Sprecharten, ihn durchprügeln. Bey den Saug- und Druckwerken ist der Kolben ein eiserner Bolzen mit einem Ringe, die Zugstange daselbst anzumachen. Eben daselbst wird auch das runde Klötzchen mit Löchern auf den Seiten, auf welches die Scheiben- und Pumpenleder gelegt werden, ehe man es an die Zugstange schraubet, der Kolben genannt. Er passet in die Kolben- oder Stiefelröhre, und verrichtet eigentlich den Druck des Wassers. Dasjenige kolbige Holz, womit in den Schmelzhütten der Herd derb gestoßen wird, heißt ein Kolben. Bey den Büchsenmachern sind die Kolben Cylinder von Holz, Bley oder Eisen, womit der Lauf eines Gewehres inwendig gekolbet, d.i. geglättet wird. Ihr gespaltener Kolben, hat wenig kolbenähnliches, sondern gleicht eher einer Gabel, dienet aber doch zu eben demselben Endzwecke. In der Chymie werden Gläser oder Gefäße mit einem runden Bauche und engen Halse Kolben genannt, dahin der Brennkolben oder Destillirkolben, der Scheidekolben und andere mehr gehören. Im Oberdeutschen wird auch eine Kalbskeule oder Hammelkeule ein Kalbskolben und Schöpskolben genannt.

Anm. Im gemeinen Leben nur Kolm. Der Begriff der Ründe ist auch in diesem Worte der herrschende, daher es mit Keule, Kugel, in den gemeinen Sprecharten Kaule, und andern zu einem und eben demselben Geschlechte gehöret. S. Kolatsche, Kollern, Kugel, Welle und Wälzen. Im Hochdeutschen wird dieses Wort so wohl im männlichen als weiblichen Geschlechte gebraucht. Doch kommt es in der ersten Bedeutung mehr im weiblichen, in der zweyten aber mehr im männlichen vor.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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