Nothzucht, die


Nothzucht, die

Die Nothzucht, plur. inus. von Noth und ziehen. 1) * Eine jede Gewalt, welche man einem andern anthut und zufüget, auch der Zwang wider dessen Willen; eine veraltete Bedeutung, welche ehedem sehr häufig war, wo nothziehen und nothzögen auch zwingen war. Gott wird uns keine Gewalt anlegen, benöthigen, nothziehen, heißt es in den Deutschen Sprichwörtern bey dem Frisch. Im Niedersächsischen ist nothtagen, nothziehen, noch in figürlichem Verstande für nöthigen, durch höfliches Bitten, üblich. 2) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung, die mit angewandter Gewalt ohne Willen der andern Person mit ihr begangene Unzucht, gewaltthätiger Beyschlaf; ehedem die Noth, die Nothnunft, von nehmen, der Nothzug, die Nothzoge, die Nothzögung, der Nothzwang, im Nieders. Verkräfting, Wiefnood. Nothzucht begehen.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • Nothzucht — (Notnunft, Stuprum violentum), die von einer Mannsperson mittelst wahrer Gewalt erzwungene widerrechtliche Schwächung eines ehrbaren erwachsenen Frauenzimmers (Mädchen od. Frau) wider deren ernstlichen Willen. Nach Römischem Rechte wurde eine… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Noth, die — Die Noth, plur. inus. einige aber größten Theils veraltete Fälle ausgenommen, wo es in der ersten Endung die Nöthe heißen müßte. 1. Mühe, Anstrengung der Kräfte so wohl des Leibes als des Gemüthes; am häufigsten in der vertraulichen Sprechart,… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Rüge, die — Die Rüge, plur. die n, ein altes, im Hochdeutschen größten Theils veraltetes Wort, welches so wie alle folgende Ableitungen und Zusammensetzungen nur noch hin und wieder in den Gerichten und in der gerichtlichen Sprechart vorkommt. Es bedeutete,… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Zent, die — Die Zênt, plur. die e, ein nur noch in Franken und Oberdeutschland übliches Wort, so wohl die Gerichtsbarkeit, als auch den Gerichtsbezirk zu bezeichnen. In dem letztern Falle sagt man z.B. in der Zent angesessen seyn, in dem Gerichte. In… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Nothklage, die — Die Nothklage, plur. die n, noch in den Gerichten einiger Gegenden, die Klage über angethane Noth, d.i. offenbare Gewalt, besonders die Klage über erlittene Nothzucht …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Fleischliche Verbrechen — (Fleisches od. Unzuchtsverbrechen, Delicta carnis), die Verbrechen, welche durch eine strafbare Befriedigung des Geschlechtstriebes begangen werden. Im Allgemeinen läßt sich annehmen, daß dergleichen Unthaten, insofern sie nicht mit Verletzung… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Concurrenz der Verbrechen — (Concursus delictorum, Cumulus delictorum [verschieden von Concursus ad delictum, s.d.], Rechtsw.), ist alsdann vorhanden, wenn dem erlennenden Criminalrichter mehrere noch unbestrafte Verbrechen des nämlichen Verbrechers zur Aburtheilung in… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Kessel — 1. Alte Kessel machen russig. – Simrock, 5565. 2. Alte Kessel schwertzen. – Lehmann, 7, 25. 3. Alte Kessel seynd rusig. – Lehmann, 7, 25; Braun, I, 1814. 4. Am e ruessige Kessel kammer (kann man) sich nidd sufer rywe. (Strasburg.) – Firmenich, II …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Österreich [2] — Österreich, Kaiserstaat in Europa; grenzt im Norden an Baiern, Sachsen, Preußisch Schlesien u. Rußland (Polen), im Osten an Rußland u. die Türkei (Moldau), im Süden an die Türkei (Walachei, Serbien u. Ejalet …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Frau — 1. Alle Frauen sind Eva s Tochter. Dän.: Alle mandfolk ere Adams sönner og quindfolk Evæ døttre. (Prov. dan., 6.) 2. Alle Frauen sind gut. Die Engländer fügen boshaft hinzu: zu etwas oder nichts. (Reinsberg I, 59.) 3. Alte Frau – Liebe lau. In… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon