Pfeifen (2)


Pfeifen (2)

2. Pfeifen, verb. irreg. Imperf. ich pfiff, Partic. gepfiffen. Es ist in doppelter Gestalt üblich. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Denjenigen hellen Laut von sich geben, welchen dieses Zeitwort nachahmet und ausdrucket, wo es in allen den Fällen gebraucht wird, in welchen sich ein solcher Laut hören läßt. Der Wind pfeift, wenn er sich durch enge Öffnungen drängt. Die Kugeln pfeifen in der Luft. Der Kugeln Saat pfeift, da die Flamme heult, Kleist. Der Degen flog pfeifend in die Luft. Die ähnliche Stimme der kleinen Vögel und des jungen Federviehes druckt man gleichfalls durch pfeifen aus, Niedersächs. pipen, jipen, Lat. pipire, Griech. πιπιζειν, Ital. pipare. Der Laut der Fischotter ist gleichfalls ein Pfeifen, so wie die Stimme der Pfeifänte, der Pfeifdrossel und anderer Vögel. Figürlich heißt pfeifen mit feiner klarer Stimme reden, und in Niedersachsen pfeift man auch, wenn man sich mit schwacher feiner Stimme beklagt. 2) Diesen Laut hervor bringen. Mit dem Munde pfeifen, ohne ein anderes Werkzeug als den zugespitzten Mund dazu zu gebrauchen. Einem Hunde pfeifen, ihn auf solche Art zu sich rufen. Auf einem Blatte pfeifen. In engerer Bedeutung, solchen Laut vermittelst einer Pfeife hervor bringen. Wie kann man wissen, was gepfiffen oder geharset ist, 1 Cor. 14, 7. Das Volk pfiff mit Pfeifen, auf Pfeifen, 1 Kön. 1, 40. Wir haben euch gepfiffen und ihr wollt nicht tanzen, Matth. 11, 17. Sprichw. wer gern tanzet, dem ist bald gepfiffen. Da die ehemahligen Pfeifen aus der heutigen Musik verbannet und dafür Flöten und andere Werkzeuge von einem angenehmeren und männlichern Klange eingeführet worden, so wird dieses Wort auch nur noch von den im gemeinen Leben hin und wieder üblichen Pfeifen gebraucht. Auf dem letzten Loche pfeifen, in den letzten Zügen liegen, ist in der niedrigen Sprechart einheimisch. 2. Ein Activum, durch Pfeifen andeuten oder ausdrucken. Ein Lied, eine Melodie pfeifen.

So auch das Pfeifen.

Anm. Im Nieders. pipen, im Schwed. pipa, im Engl. to pipe. Es ist eine genaue Nachahmung des pfeifenden Lautes.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • Pfeifen — ist das Erzeugen von Tönen mithilfe von Luft, die schnell durch einen Hohlraum mit kleiner Öffnung strömt und dort Turbulenzen erzeugt. Der Mensch kann mit verschiedenen Methoden aus seinem Mund Pfeiftöne hervorbringen, die er zur musikalischen… …   Deutsch Wikipedia

  • pfeifen — pfeifen: Das westgerm. Verb mhd. pfīfen, mnd. pīpen (s. u.), niederl. pijpen, engl. to pipe ist aus lat. pipare »piepen« entlehnt (vgl. den Artikel ↑ Pfeife). Das lat. Verb ist – wie z. B. auch griech. pip‹p›ízein »piepen« – lautmalenden… …   Das Herkunftswörterbuch

  • pfeifen — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • Pfeife • Pfiff Bsp.: • Der Pfiff des Schiedsrichters unterbrach das Spiel. • Peter kann pfeifen …   Deutsch Wörterbuch

  • pfeifen — V. (Mittelstufe) Luft so zwischen den Lippen durchblasen, dass ein Ton entsteht Beispiele: Er hat nach seinem Hund gepfiffen. Er pfiff ein Lied vor sich hin. pfeifen V. (Aufbaustufe) ugs.: jmdm. ein Geheimnis verraten Beispiel: Er hat ihm nichts… …   Extremes Deutsch

  • Pfeifen — Pfeifen, 1) Hervorbringen eines Tones, in Art von Pfeisinstrumenten, durch einfache Verengung der Lippen. Blos der Mensch ist hierzu durch die Bildsamkeit u. Feinheit seiner Lippen organisirt Indem durch schwächere od. stärkere Zusammenziehung… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Pfeifen — Pfeifen, die Erzeugung von Tönen durch Anblasen der Mundhöhle bei Bildung einer von den Lippen begrenzten Enge. Die Höhe der hervorgebrachten Töne hängt weniger von der Weite dieser Öffnung ab als von der Weite des Mundraumes. Indem diese… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • pfeifen — Vst. std. (11. Jh.), mhd. pfīfen, ahd. pfīfōn, mndd. pipen, mndl. pipen. Die schwache Flexion ist bei diesem Verb älter als die starke. Entlehnung aus l. pipāre gleicher Bedeutung ist denkbar; doch kann es auch sein, daß die lautmalende… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • pfeifen — quieken; piepen; piepsen; quietschen; fiepsen (umgangssprachlich) * * * pfei|fen [ pf̮ai̮fn̩], pfiff, gepfiffen: 1. a) <itr.; hat einen Pfeifton hervorbringen: laut, leise pfeifen; er pfiff, um auf sich aufmerksam zu machen; ein pfeifender… …   Universal-Lexikon

  • Pfeifen — 1. Aufs Pfeifen und aufs Singen gehört ein fröhlich Springen. – Petri, II, 26; Henisch, 1250, 15. 2. Dem ist leicht zu pfeifen, der Lust zu tanzen hat. – Parömiakon, 1501. Bei Tunnicius (57, 602): Êm is lichte genôch gepepen de gêrne danset. (Non …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • pfeifen — Der pfeift nicht mehr lange: der lebt nicht mehr lang; in verwandtem Sinne: Er pfeift auf dem letzten Loch (⇨ Loch).{{ppd}}    Einen pfeifen: einen Branntwein trinken. Die Wendung ist vorwiegend in niederen gesellschaftlichen Kreisen üblich und… …   Das Wörterbuch der Idiome