Aufbiethen


Aufbiethen

Aufbiethen, verb. irreg. act. (S. Biethen,) welches nach Maßgebung des verschiedenen Gebrauches des einfachen Verbi auch von verschiedener Bedeutung ist.

1. So fern biethen, für befehlen gebraucht wird, bedeutet aufbiethen eigentlich, befehlen aufzustehen, welche Bedeutung aber nicht gebräuchlich ist. Indessen ist noch die figürliche davon vorhanden, die Unterthanen zu Krieges- oder andern Diensten berufen, an einigen Orten auch aufmahnen. Alle junge Mannschaft aufbiethen. Das Landvolk aufbiethen. Den zehenten Mann aufbiethen. Der aufgebothene Adel. Die Bauern zur Verfolgung eines Übelthäters, zur Jagdfrohne u.s.f. aufbiethen. Luther gebraucht dafür aufgebiethen. Als nun Judas hörete, wie greulich man mit seinen Brüdern gehandelt hätte, geboth er seinen Leuten auf, 2. Maccab. 12, 5. Ingleichen aufbiethen. Und ließ den Juden auch aufbiethen, 1. Maccab. 9, 63; welche im Hochdeutschen ungewöhnliche Verbindung mit dem Dative noch jetzt in der Schweiz üblich ist. Im Oberdeutschen sagt man auch, ein Frauenzimmer zum Tanze aufbiethen, wofür im Hochdeutschen auffordern gewöhnlicher ist.

2. Von biethen, verkündigen, bekannt machen, hat das zusammen gesetzte aufbiethen folgende Bedeutungen. 1) Ein Paar Verlobte aufbiethen, ihre bevor stehende Verbindung von der Kanzel öffentlich bekannt machen; in Oberdeutschland verkünden, abbiethen, abrufen, ausrufen, in Niedersachsen abkündigen. Daher rühret vermuthlich auch der im niedrigen Umgange übliche Gebrauch für ausschelten, schmähen. 2) Feil biethen, ausbiethen. In einer öffentlichen Auction aufbiethen. Welche Bedeutung im Hollsteinischen am gewöhnlichsten ist. 3) Gerichtlich aufkündigen, aufsagen. Ein Pfand aufbiethen, dem Eigenthümer dessen Einlösung anbefehlen. Diese Bedeutung, von welcher Haltaus v. Aufbiethen nachgesehen werden kann, ist noch nicht veraltet, wenigstens kommt sie noch unter den Deutschen in Petersburg vor.

3. * Von biethen, reichen, war dieses Zeitwort ehedem auch für aufheben, in die Höhe halten, üblich, daher man auch sagte, mit aufgebothenen Fingern schwören. S. Haltaus v. Aufgeboten. Allein diese Bedeutung wird im Hochdeutschen nicht mehr gebraucht.

Daher die Aufbiethung in allen obigen Fällen. S. auch Aufgeboth.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • Āusschuß, der — Der Āusschuß, des sses, plur. die schüsse. 1. Die Handlung des Ausschießens, oder Absonderns einer Sache von der andern, ohne Plural, in welcher Bedeutung aber dieses Wort wenig vorkommt. 2. Dasjenige, was von andern Dingen seiner Art… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Abbiethen — Abbiethen, verb. irreg. act. (S. Biethen.) † Einen abbiethen, mehr biethen, als ein anderer, und ihn dadurch vertreiben; edler, ihn überbiethen. In einigen Gegenden auch wie aufbiethen, proclamiren, da denn Abgeboth so viel wie Aufgeboth ist …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Abkündigen — Abkündigen, verb. reg. act. welches das Frequentat. von dem im Hochdeutschen ungebräuchlichen abkünden ist. 1) Eigentlich, von einem erhabenen Orte bekannt machen; besonders von der Kanzel. Einen Verstorbenen abkündigen. Am häufigsten, die… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Aufgebiethen — Aufgebiethen, verb. irreg. act. S. Aufbiethen …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Aufgeboth, das — Das Aufgeboth, des es, plur. inus. die Handlung des Aufgebiethens oder Aufbiethens. 1) Der Befehl eines Landesherren an seine Vasallen und Unterthanen, zu gewissen Diensten zu erscheinen. Ein allgemeines Aufgeboth. Ein Aufgeboth ergehen lassen,… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Aufmahnen — * Aufmahnen, verb. reg. act. welches in Oberdeutschland am üblichsten ist, für ermahnen, aufmuntern. Indeß, daß der freundliche Wirth zur Freude sie aufmahnt, Geßn. Der Papst mahnte alle Eidgenossen wider den Herzog von Österreich auf, Bluntschli …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Biethen — Biethen, verb. irreg. act. ich biethe, du biethest, er biethet, (Oberdeutsch du beuthst, er beuth,) Imperf. ich both, Supin. gebothen, Imperat. biethe (Oberdeutsch beuth); welches ehedem zwey Hauptbedeutungen hatte, und zum Theil noch hat.… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Mannschaft, die — Die Mannschaft, plur. die en. 1) * Die Mannheit, ohne Plural; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es noch im Oberdeutschen üblich ist. Jemanden die Mannschaft benehmen, ihn des Vermögens der ehelichen Beywohnung berauben. 2) *… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Nacheile, die — Die Nacheile, plur. inus. die Handlung, da man jemanden nacheilet. In engerer Bedeutung ist es in einigen Gegenden die Verfolgung eines flüchtigen Missethäters. Die Unterthanen zur Nacheile aufbiethen. Ingleichen das Recht, flüchtige Missethäter… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Untersaß, der — Der Untersáß, des ssen, plur. die en, ein nicht an allen Orten übliches Wort, sowohl einen Unterthan überhaupt, als auch einen Vasallen oder Lehensmann ins besondere zu bezeichnen. Die Untersassen aufbiethen, sowohl die Vasallen, als auch die… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart