Schief

Schief

Schief, -er, -este, adj. et adv. verschoben, das ist, von der Horizontal- oder Perpendicularlinie abweichend, und in weiterer Bedeutung, von der gehörigen Lage oder Richtung abweichend. 1. Eigentlich, wo man eine jede gerade Linie, wenn sie von der senk- oder wasserrechten Richtung, und in weiterm Verstande, von der gehörigen Richtung, abweicht, schief nennet; daher es denn auch kommt, daß dieses Wort oft den Begriff des Fehlerhaften bey sich führet. Eine Säule stehet schief, wenn sie nicht genau senkrecht stehet. Der Tisch stehet schief, wenn er nicht völlig horizontal stehet, und in weiterm Verstande, wenn er nicht mit den Wänden des Zimmers parallel stehet. Ein schiefer Winkel, in der Geometrie, dessen Schenkel von der horizontalen und perpendicularen Richtung abweichen, im Gegensatze eines rechten; wohin denn so wohl die spitzigen als stumpfen Winkel gehören. Eine schiefe Fläche, welche von der horizontalen abweicht. Einen schiefen Hals haben, wenn er nicht perpendicular ist. Schief schreiben. Der Wagen hängt schief. Ein schiefes Maul machen, das Maul verziehen. Einen schiefen Seitenblick auf jemanden thun, ihn von der Seite ansehen. Die Perrücke sitzt schief, wenn sie nicht gerade sitzt. Krumm und schief sind sehr verschieden. Was schief ist, kann an und für sich selbst, seinen Theilen nach gerade seyn; das Schiefe beziehet sich bloß auf das Verhältniß der Richtung gegen andere Körper. Indessen gebraucht man doch schief in den gemeinen Sprecharten mancher Gegenden auch für krumm; z.B. schiefe Beine haben, krumme. Schräge ist ein anderes, aber doch mehr provinzielles Wort, für schief, indessen druckt es die von der senk- oder wasserrechten Richtung abweichende Richtung allgemein und überhaupt aus, ohne den Nebenbegriff des Fehlerhaften an sich zu haben, welcher dem Worte schief in den meisten Fällen anklebet. 2. Figürlich. 1) Eine Sache gehet schief, wenn sie nicht so gehet, wie sie soll und wie man wünschet. 2) Schief denken, schief urtheilen, unrichtig, nicht so wie man soll, und wie die Sache es erfordert. Ein schiefes Urtheil, ein schiefer Gedanke. Ein Werk aus einem schiefen Gesichtspunkte beurtheilen, nicht aus dem gehörigen.

Anm. In den gemeinen Sprecharten schäf, schef, schepp, scheif, schieb, schiebicht, im Nieders. scheev, im Engl askew, skue, im Schwed. skef, im Griech. σκαιος, link, welches aber auch eigentlich schief bedeutete, σκαιον σομα, ein schiefes Maul, bey dem Scholiasten des Sophokles; im Lat. scaevus. Es stammet von schieben, verschieben her, wie aus dem Oberd. schiebicht für schief erhellet. Mit andern Endlauten gehören auch das Ober- und Niederdeutsche schäl, schell, schelch, (S. Schel und Schielen,) und das Oberd. schech, scheg, schek, schief, hierher.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • schief — • schief – sie macht ein schiefes (missvergnügtes) Gesicht; ein schiefer (scheeler) Blick – schiefe (nicht zutreffende) Vergleiche – in ein schiefes Licht geraten (falsch beurteilt werden) – {{link}}K 89{{/link}}: die schiefe Ebene; ein schiefer… …   Die deutsche Rechtschreibung

  • schief — Adj; 1 nicht gerade, sondern so, dass es mit einer senkrechten oder waagrechten Linie oder Fläche einen (spitzen) Winkel bildet: eine schiefe Mauer; den Kopf schief halten; Er hat eine schiefe Nase; Das Bild hängt schief an der Wand || Abbildung… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • schief — Adj. (Grundstufe) von krummer Gestalt, Gegenteil zu gerade Synonym: schräg Beispiel: Er hat einen schiefen Rücken. Kollokation: etw. schief an die Wand hängen schief Adj. (Aufbaustufe) den Tatsachen nicht entsprechend, falsch Synonyme: entstellt …   Extremes Deutsch

  • schief — Adj std. (11. Jh.), mhd. schief Stammwort. Aus dem Niederdeutschen übernommen: mndd. schēf; die eigentliche oberdeutsche Form ist scheif, die im 17. Jh. noch bezeugt ist. Außerhalb des Deutschen entspricht anord. skeifr aus * skaiba oder * skaifa …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • schief — schief: Das Adjektiv tritt in dieser Form im 13. Jh. auf und hat sich schriftsprachlich erst in neuerer Zeit durchgesetzt. Mdal. gilt scheib, scheif (mnd. schēf, entsprechend aengl. scāf, schwed. skev), anders gebildet westmd. schepp (mhd.… …   Das Herkunftswörterbuch

  • schief — Der Spiegel hängt ganz schief …   Deutsch-Test für Zuwanderer

  • Schief — Schief, 1) von der senkrechten od. wagerechten Richtung abweichend; daher 2) in Beziehung auf den menschlichen Körper, bes. die Rückenwirbelsäule, s.u. Verkrümmungen; 3) nicht richtig, nicht mit der Wahrheit übereinstimmend, nicht… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • schief — quer; schepp (umgangssprachlich); schräg; diagonal; wellig; windschief; verzogen; krumm * * * schief [ʃi:f] <Adj.>: 1. von der senkrechten oder waagerechten Lage abweichend, nicht gerade: eine schiefe Mauer; ein …   Universal-Lexikon

  • schief — Die Redensarten Auf eine schiefe Bahn geraten und Auf die schiefe Ebene kommen beruhen auf der Beobachtung, daß ein Körper in immer schnellere Bewegung gerät, der einmal ins Gleiten gekommen ist. Auf den Menschen übertragen, enthalten diese… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Schief — 1. Ae Bissel schêf is engelsch. (Oberharz.) – Lohrengel, II, 1. 2. Ein bischen schief bringt unter die Haube. – Simrock, 8991. 3. Ein bischen schief ist ehrlich. (Berlin.) 4. Ein bischen schief ist Mode. (Berlin.) 5. En beten schêv is linkerst… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

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