Schreiben


Schreiben

Schreiben, verb. irreg. act. Imperf. ich schrieb; Mittelw. geschrieben; Imper. schreib. 1) Eigentlich Schriftzüge machen, Worte durch lesbare Zeichen dem Auge sichtbar machen, so daß es zunächst auf die sichtbaren Zeichen gehet. Mit Kreide, mit einem Schieferstifte, mit Röthel u.s.f. schreiben. Mit dem Finger in den Sand schreiben. Auf Papier, Pergament, Erz, Marmor schreiben. Es läßt sich nicht darauf schreiben. Leserlich, deutlich, undeutlich schreiben. Eine gute, schlechte Hand schreiben. Enge, weitläufig schreiben. Falsch schreiben. Etwas in das Reine schreiben. Den ganzen Tag schreiben. Sich etwas hinter die Ohren schreiben, figürlich, es sich zur künftigen Ahndung oder Wiedervergeltung merken. Das geschriebene Wort Gottes, zum Unterschiede von dem gesprochenen. Ingleichen von den Werkzeugen, womit man schreibt. Die Kreide schreibt nicht, wenn sie naß ist. Die Feder schreibt schlecht, gut, will nicht schreiben. Schreiben wird nur von derjenigen Art der Verfertigung sichtbarer Zeichen der Worte und Gedanken gebraucht, welche vermittelst eines flüssigen oder abfärbenden Körpers, oder auch durch bloße einfache vertiefte Züge vermittelst eines spitzigen Werkzeuges hervor gebracht werden; um diese Verrichtung von dem Schneiden, Stechen, Ätzen Hauen u.s.f. zu unterscheiden. 2) Durch mehrere schriftlich ausgedruckte Worte und Gedanken hervor bringen. Eine Rechnung, ein Urtheil, einen Brief, ein Buch schreiben. Eine Grammatik, ein Wörterbuch, eine Geschichte u.s.f. schreiben. Ein Recept schreiben. Die Zeitungen schreiben. Nicht seinen Nahmen schreiben können Ein Paar Zeilen an jemanden schreiben. Eine Sprache schreiben, aber nicht reden können, sich schriftlich aber nicht mündlich darin ausdrucken können. Das Buch ist Lateinisch, in Lateinischer Sprache geschrieben. Sich schreiben, sich unterschreiben, von der Art und Weise, wie jemand seinen Nahmen ausdrückt. Wie schreibt er sich? auf was für Art pflegt er sich zu unterschreiben? Sehr oft wird schreiben absolute von Verfertigung einer Schrift gebraucht. Über einen Text schreiben. Wider jemanden schreiben. Besonders von Verfertigung eines Briefes. Ich will an euren Freund schreiben. Cajus hat noch nicht geschrieben. Man schreibt nicht viel Neues von Berlin. Nach Berlin schreiben. Wir wollen darum schreiben. Er schreibt nicht gern, nähmlich Briefe. Da es denn auch figürlich reciproce gebraucht wird. Wo schreibt sich die Nachricht her? eigentlich, wer hat sie geschrieben? und in weiterer Bedeutung auch, von wem kommt sie her? wer hat sie ertheilet? Ja auch von einer jeden andern Sache. Wo schreibt sich das her? wo kommt das her? Zuweilen wird es auch für abschreiben gebraucht. Sich vom Schreiben nähren, vom Abschreiben. Acten schreiben, abschreiben. 3) In Rücksicht auf die schriftlich ausgedruckten Worte und Gedanken, wo der Begriff der Schriftzeichen verschwindet. Schön, zierlich, rein, erhaben, niedrig u.s.f. schreiben. Das Buch ist vortrefflich geschrieben. So auch das Schreiben.

Anm. Schon in dem Isidor und bey dem Kero scriban, bey dem Ottfried screiban, im Niedersächsischen schriven, im Schwedischen skrifva, welches auch mahlen bedeutet, im Bretagnischen skriva, im Irländ. schriobbam, im Wallisischen ysgrivenny, im Lat. scribere, im Griech. ohne Zischlaut γραφειν. Die beyden letzten siehet man gemeiniglich als die Stammwörter des Deutschen an, allein sie sind nur Seitenverwandte. Der Grund der Benennung liegt in der ältesten Art der Verfertigung der Schriftzüge, welche ein Schneiden, Graben, mit Reiben verbundenes Graben u.s.f. war, so daß unser graben, reiben, (dem es auch in der Conjugation gleich ist,) das Schwed. rifva, schneiden, u. a. m. die nächsten Stammwörter sind, woraus schreiben vermittelst des oft intensiven, oft aber auch müßigen Zischlautes gebildet worden. S. Schrift. Da das b am Ende sehr gelinde lautet, so bekommt es in der Zusammensetzung, wenn ein Consonans folget, gern ein e euphonicum, damit die gelinde Aussprache nicht verloren gehe; Schreibebuch, Schreibepult u.s.f. Aber in manchen ist doch die Auslassung des e und zugleich die härtere Oberdeutsche Aussprache des b hergebracht, wie in Schreibfeder, Schreibfehler, Schreibpapier, Schreibstube u.s.f. für Schreibefeder u.s.f.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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