Aufthun


Aufthun

Aufthun, verb. irreg. act. S. Thun. 1) Hinauf thun, oder legen, im gemeinen Leben. Besonders wird es in dieser Bedeutung in den Blaufarbenwerken gebraucht.

2) Öffnen, doch nur in einigen Fällen, wo man diesen Begriff ganz allgemein, ohne nähere Bestimmung der Art und Weise auszudrucken für gut findet. Die Thür aufthun, wofür doch aufmachen üblicher ist. Das Buch aufthun, besser aufschlagen oder öffnen. Die Ohren aufthun, für hören, und den Mund aufthun, für sprechen, sind niedrig; das Maul aufthun, in der letzten Bedeutung, ist zugleich verächtlich. Die Augen aufthun, für aufmerksam sehen, gehöret gleichfalls in die Sprache des gemeinen Lebens; doch sagt man auch in der anständigern Sprechart figürlich: Das Unglück hat mir die Augen aufgethan, obgleich auch hier öffnen edler seyn würde. Ein Faß Bier, Wein etc. aufthun, im gemeinen Leben, es anzapfen, anfangen davon zu verkaufen. Die abgeernteten Felder aufthun, Erlaubniß geben, sie mit dem Vieh betreiben zu lassen. Am häufigsten gebraucht man dieses Wort noch als ein Reciprocum. Die Blumen thun sich auf. Die Erde that sich unter mir auf. Der Himmel thut sich auf. Das Gestein hat sich aufgethan, in den Bergwerken, es hat sich von dem festern Gesteine abgelöset.

Anm. Bey dem Ottfried findet sich für dieses Wort induan, d.i. entthun, und der noch ältere Kero druckt, den Mund aufthun, durch intlohhan mund, den Mund entlochen, aus.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Aufthun — Aufthun, 1) (Landw.), ein Feld nach der Ernte zur Behutung freigeben; 2) A. eines Ganges, wenn er mächtiger, weiter wird; 3) (Seew.), das Land thut sich aus, wenn solches, vom Verdeck des Schiffes aus, zuerst sichtbar wird (in Sicht ist); 4) vom… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Aufthun — 1. Man thut leichter das Maul auf als den Seckel. 2. Man thut lieber den Mund auf als den Beutel. *3. Er thut sich auf, als wenn er zehn Teufel gefressen und den elften im Maul hätte. (Auerbach.) [Zusätze und Ergänzungen] *4. Thu dich auf, mein… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Maul — 1. Alle Mäuler sind Schwesterkinder. Sie essen alle gern etwas Gutes. It.: Tutte le bocche sono sorelle. (Pazzaglia, 34, 10.) 2. Besser, dass ma dem Mul e Brötli chaufe, as all schwätze. (Appenzell.) Besser dem Munde einen guten Bissen geben, als …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Öffnen — Öffnen, verb. reg. act. offen machen, d.i. aufmachen, machen, daß andere Dinge freyen Aus oder Zugang zu einem eingeschlossenen Raume bekommen. 1. Eigentlich, wo dieses Wort von einem weiten Umfange der Bedeutung ist, und alle die besondern Arten …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Auge — 1. Ab Auge, ab Herz. (Luzern.) 2. Als das aug erfüllet, so ist dem bauch genug gethan. – Henisch, 152. 3. An den Augen sieht man, was einer ist und was er kann. 4. An den augen tevblein vnd in den hertzen tevflein. – Trymberg, Renner, um das Jahr …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • In Sicht sein — (Seew.), so v.w. Aufthun …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Kümmel — Kümmel, 1) Pflanzengattung Carum (s.d.); 2) bes. der gemeine K. (C. carvi); 3) (Kümmelsamen, Semen carvi), länglich eiförmige, gestreifte, etwas gekrümmte, spitzige, grünlichbraune Theilfrüchtchen von gedachter Pflanze, 2 Linien lang, länglich,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Aufmachen — Aufmachen, verb. reg. act. 1) Öffnen, als ein allgemeiner Ausdruck dieser Handlung, der die Art und Weise derselben unbestimmt lässet, doch nur in vielen einzelnen Fällen. Man sagt daher: die Thür, das Fenster aufmachen. Dem Feinde die Thore… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Eröffnen — Eröffnen, verb. reg. act. auf oder offen machen, in der anständigern Schreibart. 1. Eigentlich, für öffnen. Jemanden die Thür eröffnen. Das Fenster, das Haus eröffnen. Ein Schloß mit Gewalt eröffnen. Die Laufgräben eröffnen. Eine Ader eröffnen.… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Fluchen — Flūchen, verb. reg. neutr. mit haben. 1) Mit Heftigkeit Böses anwünschen, mit der dritten Endung der Person. Verflucht sey, wer dir flucht, 1 Mos. 27, 29. Fluche nicht dem Könige, Pred. 10, 20. Auch fluche nicht der alten Muhme, Less. Dem Haufen …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart