Sehr

Sehr

Sehr, ein Nebenwort, welches nur noch in seiner figürlichen Bedeutung üblich ist, da es als eine Intension gebraucht wird, den innern Grad der Stärke des Redetheiles, mit welchem es verbunden wird, zu erhöhen. Es kann in diesem Verstande sowohl andern Nebenwörtern, als auch Beywörtern und Zeitwörtern zugesellet werden. Sehr groß, sehr klein, sehr viel, sehr wenig, sehr gut, sehr böse. Das kann sehr wohl geschehen. Ein sehr reicher, ein sehr armer Mann. Ein sehr kleines Haus. Dein sehr großer Lohn. Der Schein ist sehr wider dich. Du hast sehr recht. Er verlässet sich sehr darauf. Wüßtest du, wie sehr ich dich liebe. Das richtet mich sehr auf. Eile nicht so sehr. Ich liebe ihn so sehr, als mich selbst. Du widersetzest dich hier allzusehr. Wie sehr du dich auch widersetzest, so wirst du doch unterliegen müssen. Sie mögen mich nun noch so sehr hassen, so werde ich mich doch nie beklagen, Gell. Sie gefallen ihm mehr als zu sehr.


Sey noch so sehr ein Held, wird dich das Glück verlassen,

Sie werden dein Verdienst, wie deinen Unfall hassen,

Weiße;


d.i. wenn du gleich der größte Held bist.

Anm. In dieser Bedeutung lautet es schon im Schwabenspiegel ser, Schwed. såra. Da der Begriff der Intension auch in andern Fällen eine Figur theils der Masse, der Last, theils der Geschwindigkeit ist, so gilt selbiges auch in diesem Falle. Die ältesten Oberdeutschen Schriftsteller, wie der Übersetzer Isidors, Kero, u.s.f. gebrauchen saar, die Angelsachsen sar, für gleich, den Augenblick, schnell. Daß es mit schwer verwandt ist, erhellet auch aus andern Sprachen, z.B. der Schwed. wo svår, schwer, und svåra, sehr ist. Auf ähnliche Art sind das Lateinische valde, sehr, validus, stark, und unser bald, und das alte Niederd. swieth, sehr, Angels. swithe, und unser geschwinde, verwandt. Der Begriff des Schmerzens gehöret gleichfalls in dieses Geschlecht, daher das alte Oberdeutsche Seer, Nieders. Sehr, Schmerz, sere, schmerzlich, Nieders. sehr, das Hebr. ציר, ängsten u.s.f. Siehe auch Versehren.

In einigen gemeinen Mundarten wird dieses Nebenwort, wenn es mit Zeitwörtern verbunden ist, compariret, sehrer, am sehrsten. Die Hochdeutsche kennet diese Staffeln nicht, sondern gebraucht dafür in manchen Fällen stärker, am stärksten, in manchen aber mehr, am meisten.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.


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