Unschlitt, das


Unschlitt, das

Das Unschlitt, des -es, plur. car. ein nur in manchen Sprecharten, besonders Ober-Deutschlandes, übliches Wort, den Talg zu bezeichnen. Daher das Unschlittlicht, ein Talglicht. Das Unschlittamt zu Nürnberg ist ein obrigkeitliches Amt, welches aus drey Abgeordneten des Rathes, einem Amtmann aus den Patriciis, einem Schreiber und einem Unschlittschauer bestehet, und in welches die Fleischer alles ihr Unschlitt oder Talg liefern, die Lichtzieher und Seifensieder aber ihr Bedürfniß von demselben nehmen müssen. Das Wort wird in den gemeinen Mundarten sehr verstellet, indem es bald Unschlitt, bald Unschlicht, Inschlicht, Inschlitt, Inselt, Insel, Angels. Insil, und in einigen Gegenden, z.B. im Osnabrückischen, gar Ungel lautet, nach welcher Form auch bey dem Apherdian Ungelkerze ein Talglicht ist. Diese Unbeständigkeit in der Aussprache macht die Abstammung schwer und ungewiß. Indessen ist am wahrscheinlichsten, daß die Form Ungel der Quelle am nächsten kommt, indem dieselbe mit ungere, Unguentum, verwandt ist, und einen fetten schmierigen Körper bedeutet. Die Gaumen- und Zischlaute werden häufig mit einander verwechselt, daher Ungel und Insel nur als verschiedene Mundarten eines und eben desselben Wortes angesehen werden müssen, woraus denn in härtern Mundarten Unschlitt, Inschlicht geworden. Diese letzte Form hat den Frisch verleitet, es für ein aus Ungel und Licht zusammen gesetztes Wort zu halten, und es eigentlich durch ein Talglicht zu erklären, welches aber wider allen Sprachgebrauch ist. Im Dänischen ist Ister, Schmalz.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • Unschlitt — Talg (lat. Sebum, auch Unschlitt oder Inselt) ist aus Wiederkäuern gewonnenes, festes Körperfett. Talg ist eine feste, gelblich weiße Masse. Es enthält hauptsächlich gesättigte Fettsäuren mit gerader Anzahl von Kohlenstoff Atomen. Es kommen… …   Deutsch Wikipedia

  • Unschlitt — Ụn|schlitt 〈n. 11; unz.〉 = Talg [<ahd. *ungislahti „zum Essen nicht verwendbares Schlachtwerk“; → schlachten] * * * Ụn|schlitt [ahd. ungislahti = zum Essen nicht verwendbares Schlachtwerk]: svw. ↑ Talg. * * * Ụn|schlitt, das; [e]s, (Arten:)… …   Universal-Lexikon

  • Unschlitt — Ụn|schlitt, das; [e]s, e (veraltend für Talg) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Licht, das — Das Licht, des es, plur. die er, Diminut. das Lichtchen, im Plural auch wohl Lichterchen, Oberd. Lichtlein; ein Wort, welches so wohl die leuchtende Materie, als einen mit derselben begabten Körper von bestimmter Gestalt bedeutet. 1. Die… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Weiß, das — Das Weiß, des Weiß, plur. inusit. daß Adverbium weiß als ein Substantiv gebraucht. 1. Ein weißer Farbenkörper, z.B. Schieferweiß, Bleyweiß. 2. Ein weißer Körper, vielleicht nur in Eyweiß. Bey den Jägern wird indessen auch das Fett oder Unschlitt… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Schiffpech, das — Das Schíffpêch, des es, plur. inus. eine Mischung aus Pech, Theer, Harz und Unschlitt, welche in die Fugen der Schiffe gegossen wird, das Holz vor der Fäulniß zu bewahren …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Inschlitt, das — Das Inschlitt, des es, plur. inus. ein vorzüglich im Oberdeutschen übliches Wort, den Talg zu bezeichnen, wo es im gemeinen Leben auch Inselt lautet. S. Unschlitt …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Terpodion — Das Terpodion oder Uranion ist ein Tasteninstrument, das wie die bekanntere Glasharmonika und der Clavicylinder Friktion zur Tonerzeugung benutzt. Terpodion von Johann David Buschmann (1773 1852). Städtische Museen Junge Kunst und Viadrina,… …   Deutsch Wikipedia

  • Lithogrăphie — (v. gr., Steindruck), eine, auf einem Stein od. ähnlichen Gegenstand mit der Feder od. mit chemischer Kreide entworfene, od. auch mit der Nadel u. dem Grabstichel eingegrabene od. mittelst Ätzens mit Scheidewasser erhaben hervortretende u.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Schmiermaterialien — Schmiermaterialien, Schmiermittel (greases, unguents [smears]; enduits, graisses, oings; materielle d untura), haben den Zweck, die unmittelbare Berührung aneinander gleitender Maschinenteile zu verhindern und den Reibungswiderstand auf ein… …   Enzyklopädie des Eisenbahnwesens