Bètt, das


Bètt, das

Das Bètt, des -es, plur. die -en, Diminutivum das Bettchen, Oberdeutsch das Bettlein. 1. Eigentlich ein jeder Platz, welchen sich ein lebendiges Geschöpf zur Ruhe zubereitet oder ausersiehet. In dieser ältesten und weitesten Bedeutung nennen noch die Jäger denjenigen Platz in einem Gehölze, auf welchem das Roth- und Tannwildbret ruhet, das Bett, dagegen sie dem Bär, den Sauen, dem Wolfe, dem Luchse und den Hasen ein Lager zuschreiben. Figürlich, vermuthlich in Beziehung auf die Vertiefung, wird auch die Vertiefung des Erdbodens, in welcher ein Fluß seinen Lauf hat, das Bett genannt, und in einer noch weitern Bedeutung führet diesen Nahmen auch das Behältniß an den Mühlen, durch welches sich das Wasser auf die Räder stürzet, das Fluthbett, das Gerinne; in welcher Bedeutung Bedum, Bedale, Bedalium in dem Lateine der mittlern Zeiten nicht selten sind.

2. In engerer Bedeutung, das hölzerne Gestell nebst den mit Federn ausgestopften Polster, zur Ruhe und zum Nachtlager der Menschen. Das Faulbett, Feldbett, Reisebett, Himmelbett u.s.f. Ein einschläferiges Bett, im gemeinen Leben mancher Provinzen, ein Bett auf Eine Person, in Meißen, ein einmännisches, in andern Gegenden ein einspänniges Bett. Ein zweyschläferiges Bett, in Meißen, ein zweymännisches, anderwärts ein zweyspänniges. Im Hochdeutschen werden diese provinziellen Ausdrücke am richtigsten umschrieben. Das Bett machen, die dazu gehörigen Polster und Küssen aufrühren und in Ordnung legen. S. Betten. In das Bett oder zu Bette gehen, sich zu Bette legen, sich, um zu schlafen, in das Bett legen. Einen zu Bette bringen, ihn bis an das Bett begleiten. Im Bette liegen, zu schlafen, oder zu ruhen. Zu Bette liegen, bettlägerig, krank seyn. Das Bett hüthen müssen, in eben der Bedeutung, Franz. garder le lit. Auf dem Bette sterben, eines natürlichen Todes sterben. Auf dem Bette der Ehren sterben, in einer Schlacht bleiben.

3. In noch engerer Bedeutung, einzelne Theile eines solchen Bettes. 1) Das hölzerne Gestell, welches auch ein Bettgestell, eine Bettstatt, eine Bettsponde u.s.f. genannt wird. Sein eisern Bett ist allhier zu Rabbath, 5 Mos. 3, 11. Noch häufiger aber, 2) die in dasselbe gehörigen Polster, die Federbetten, besonders die größern unter denselben, im Gegensatze der Küssen und eigentlichen Polster. Das Unterbett, das Oberbett oder Deckbett. Unter keinem Bette, sondern unter einer Decke schlafen. Die Betten sonnen.


Man lieget, wenn noch jetzt das Sprüchwort gelten soll,

Auf guten Betten hart, auf harten Betten wohl,

Haged.


Die wunden sich in ihren weichen Betten,

Gell.


4. Figürlich, von einiger Ähnlichkeit mit einem Schlafbette, die abgetheilten Plätze in den Gärten und auf den Äckern, Gewächse darauf zu pflanzen, wo aber dieses Wort im Hochdeutschen Beet lautet. S. Beet. An den Weinkellern wird das Verhältniß, in welches die zum Pressen bestimmten Trauben geleget werden, und in weiterer Bedeutung auch so viel Trauben, als auf Ein Mahl gekeitert werden können, ein Bett genannt.

Anm. In Ansehung des Plurals ist der Sprachgebrauch sich nicht völlig gleich. Ein Gestell mit oder ohne Federbetten macht den Plural im Oberdeutschen Better, ein Federbett aber Bette.


Wenn die große weite Welt

Schläfrig in die Bette fällt,

Opitz.


Im Hochdeutschen ist wohl der Plural die Betten in allen Bedeutungen ohne Unterschied am häufigsten; obgleich auch viele mehrere Gestelle mit oder ohne Federbetten im Plural Bette nennen: sechs Gastbette, drey Krankenbette. Hingegen die Betten sonnen u.s.f. in welchem zweyten Falle der dritten Bedeutung der Plural im Hochdeutschen ohne Ausnahme Betten lautet. Der Plural wird in der ersten Bedeutung wohl nur selten vorkommen. In der zweyten und dritten lautet er im Hochdeutschen ohne Unterschied Betten. Allein in einigen Oberdeutschen Gegenden haben die Federbetten im Plural Bette, in andern aber Better oder Bether. Mit den benöthigten Kleidern und Bethern versehen, Bluntschli. In Österreich hingegen hat nur ein Gestell nebst den dazu gehörigen Federbetten im Plural die Better. Bett lautet übrigens schon bey dem Kero Pett, um das Jahr 790 in der Fränkischen Mundart im Plural Betdi, im Gothischen Bad, bey dem Ottfried und Willeram Bette, im Nieders. Bedde, im Angels. und Engl. Bed, im Schwed. Baedd. Herr Ihre hält den Begriff der Wärme für den herrschenden in diesem Worte, und rechnet es zu dem Griech. βω, calere, mit welchem das Schwed. badda, rösten, überein kommt; S. Bähen. Allein Wachters Meinung, der es zu beiten, warten, rechnet, hat mehr Wahrscheinlichkeit für sich, und schickt sich besser für das hohe Alterthum dieses Wortes und die Einfalt der damahligen Sitten, da man von einem Nachtlager wohl eben keine Wärme zu verlangen Ursache hatte. Vermittelst des Zeitwortes beiten ist Bett mit dem Chald. Arab. und Äthiop. בות und יית übernachten, und dem Hebr. לת, Wohnung oder Ort, und בית Haus, verwandt. S. Bude und Bauen.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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