Besitzen


Besitzen

Besitzen, verb. irreg. act. S. Sitzen. 1) * Oft und viel auf einem Orte sitzen, so lange als nöthig ist, auf demselben sitzen. In dieser im Hochdeutschen veralteten Bedeutung sagt man noch im gemeinen Leben, die Eyer sind besessen, wenn das Huhn so lange über selbigen gesessen hat, daß die Küchlein angefangen, sich in denselben zu erzeugen. 2) Figürlich, eine Sache allein in seiner Gewalt haben. Ein Haus, einen Garten, ein Gut besitzen. Viele Güter besitzen. Er besitzt es mit Recht. Ein Land besitzen. Er besitzt dich nicht, er hat dich nur. Dahin gehöret auch die theologische Bedeutung des Mittelwortes, vom Teufel besessen seyn, oder nur schlechthin besessen seyn, dem Leibe nach in dessen unmittelbaren Gewalt seyn, und das Hauptwort, ein Besessener, der von dem Teufel besessen ist. Ingleichen in weiterer Bedeutung von dem Geitze, von dem Hochmuthe, von dem Neide besessen seyn, diesen Lastern die Herrschaft über sich lassen. Die Anschläge, die mein Herz besessen haben, Hiob 17, 11, ist im Hochdeutschen nicht nachzuahmen; so wenig als die Klage Jacobs von Warte:


Swie si hat mit sorgen mich besessen.


3) In weiterer Bedeutung für haben, mit etwas versehen seyn. Schönheit, Tugend, Verstand, ein edles Herz besitzen. Der Geitzige hat nichts von dem, was er besitzt, Dusch; d.i. er genießt nichts von dem, was er in seiner Gewalt hat. Wie wenig Tugend muß der Mann besitzen, der sein Vaterland bloß um sich liebt! ebend.

Daher die Besitzung, besonders, 1) in der theologischen Bedeutung der Besitzung von dem Teufel; in dem ersten Falle der zweyten Bedeutung ist Besitz üblicher. 2) Ein Grundstück, welches man besitzet, in welcher Bedeutung auch der Plural üblich ist. Die Besitzungen der Engländer in Amerika.

Anm. Besitzen, bey dem Übersetzer Isidors chisitzan, bey dem Ottfried bisizzen, bey dem Notker besizzen, im Nieders. besitten, bedeutete ehedem auch sein Testament machen, und Besitzung das Testament. Wenigstens heißt es in einem 1477 in Oberdeutschland gedruckten Vocabelbuche: Testamentare, den letzten Willen besitzen, testamentum, Besizung; wo es aber für aufsetzen zu stehen scheinet. Auch bey den Schwäbischen Dichtern kommt besitzen, für einnehmen oder besetzen vor. Das Mittelwort besessen, wird in Oberdeutschland, und beseten, in Niedersachsen auch für ansässig gebraucht. In diesem Verstande heißt es auch Sir. 37, 14, ein Tagelöhner, der nirgends ist besessen.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • besitzen — Vst. std. (8. Jh.), mhd. besitzen, ahd. bisizzen Stammwort. Zunächst in Besitz nehmen . Gemeint ist dabei Grund und Boden, auf dem man tatsächlich sitzt (oder sich setzt). Danach Verallgemeinerung zum heutigen Sinn, erst seit dem 16. Jh. häufiger …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • besitzen — [Wichtig (Rating 3200 5600)] Auch: • haben • gehören Bsp.: • Ich besitze ein Haus. • Wem gehört dieses Haus? …   Deutsch Wörterbuch

  • besitzen — V. (Grundstufe) jmdm. gehören, etw. in seinem Besitz haben Synonym: haben Beispiele: Die Schule besitzt eine große Bibliothek. Alles, was er besaß, hat er im Kasino verloren …   Extremes Deutsch

  • besitzen — besitzen, besitzt, besaß, hat besessen Besitzt Ihre Frau ein eigenes Auto? …   Deutsch-Test für Zuwanderer

  • besitzen — aufweisen; bieten; innehaben; verfügen; sein Eigen nennen; haben * * * be|sit|zen [bə zɪts̮n̩], besaß, besessen <itr.; hat: a) sein Eigen nennen, (als Eigentum) haben: sie besitzt ein Haus. b) haben …   Universal-Lexikon

  • besitzen — be·sịt·zen; besaß, hat besessen; [Vt] 1 etwas besitzen über etwas Materielles verfügen, das man erworben oder bekommen hat <ein Haus, einen Hof, ein Grundstück, ein Auto, viel Geld, Aktien besitzen> 2 etwas besitzen Jur; die tatsächliche… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • besitzen — Im Besitz einer Sache sein: etwas sein eigen nennen; Besitz erwerben: von jemandem etwas kaufen, oder Jemanden in den Besitz einer Sache einsetzen: an jemanden etwas verkaufen oder vererben.{{ppd}}    Anstelle der heutigen Urkunden waren nach… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • besitzen — sitzen: Das gemeingerm. starke Verb mhd. sitzen, ahd. sizzen, got. sitan, engl. to sit, schwed. sitta gehört mit verwandten Wörtern in anderen idg. Sprachen zu der idg. Wurzel *sed »sich setzen; sitzen«, vgl. z. B. lit. sedė̓ti, russ. sidet᾿… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Besitzen — 1. Wer viel besitzt, hat viel zu streiten. – Simrock, 950. It.: Chi ha possessioni, ha questioni. (Gaal, 190.) 2. Wer wenig besitzt, hat das erste Recht dazu. (Aegypt.) [Zusätze und Ergänzungen] zu 2. Die Russen sagen: »Besitz bringt Sorge,… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • besitzen — a) haben, in Besitz/in Händen haben, verfügen; (geh.): gebieten, sein Eigen nennen. b) aufweisen, sich auszeichnen, gekennzeichnet sein, haben, verfügen, vorzuweisen haben; (geh.): gebieten. * * * besitzen:1.〈dieVerfügungsgewaltüberetw.haben〉[inne… …   Das Wörterbuch der Synonyme