Bewènden

Bewènden

Bewènden, verb. irreg. neutr. (S. Wenden,) von welchem nur der Infinitiv und das Mittelwort der vergangenen Zeit, obgleich in zwey ganz verschiedenen Bedeutungen üblich sind.

Der Infinitiv mit dem Verbo lassen, wird für beruhen lassen gebraucht. Wir wollen es dabey bewenden lassen, wir wollen hierbey aufhören, die Sache nicht weiter treiben. Er ließ es nicht bey bloßen Worten bewenden. Wir wollen es bey dem Alten bewenden lassen. Sie läßt es selten bey dem, was ich sage, bewenden, Gell. Lassen sie es bey dem Gelde bewenden, ebend. Ingleichen, dieser Infinitiv als ein Substantiv gebraucht. Dabey hat es sein Bewenden, dabey soll es bleiben. Provinziell ist es, wenn man dieses Wort in einigen Gegenden als ein Neutrum gebraucht: Dabey bewendet es unabänderlich, dabey verbleibt es, dabey es sein Bewenden. Das Participium Bewandt, S. an seinem Orte.

Anm. Von wenden, vertere, hatte man ehedem auch ein Neutrum, welches unter andern auch enden bedeutete, und wovon bewenden, für am Ende seyn, das Ende erreichen, gebraucht wurde. S. Wenden. Diesen Sinn hat das Nieders. bewenden noch, und davon stammet ohne Zweifel die heutige Hochdeutsche Bedeutung ab. Zu den Zeiten der Schwäbischen Dichter wurde bewenden auch für anwenden, verwenden gebraucht. Daher sang Reimar der Alte:


Es dunket mih unselicheit

Das ich mit truwen allen minen sin

Bewendet han dar es mih dunket vil.


Auch im Nieders. sagt man noch, es ist daran nicht bewendet, für, es ist daran nicht angewandt. S. auch Bewandt. Übrigens ist für bewenden lassen, in Niedersachsen auch betämen laten, und in Preußen bezähmen lassen üblich.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • bewenden — Vsw erw. obs. (9. Jh.), mhd. bewenden, ahd. biwenten Stammwort. Präfigierung zu wenden. Das Wort bedeutet ursprünglich hinwenden , auch anwenden, verwenden . Hierzu die heute idiomatisierte Wendung es dabei bewenden lassen (d.h. auf sich beruhen… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • bewenden — bewenden: Von der Präfixbildung mhd. bewenden, ahd. biwenten »hin , um , anwenden« (vgl. ↑ wenden) ist heute nur noch der Infinitiv gebräuchlich, und zwar in den Fügungen »es bei/mit etwas bewenden lassen« und – substantiviert – in »Es mag dabei… …   Das Herkunftswörterbuch

  • bewenden — • bewenden es bei/mit etwas bewenden lassen es abgetan/erledigt sein lassen, es genug sein lassen, es gut sein lassen; (geh.): Abstand nehmen, nicht länger nachkommen; (ugs.): bleiben lassen. * * * bewenden:esb.lassen|mit/bei|:⇨belassen(1) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • bewenden — be|wen|den [bə vɛndn̩]: in der Wendung es bei etwas bewenden lassen: es mit etwas genug sein lassen; sich mit etwas begnügen: wir wollen es diesmal noch bei einer leichten Strafe bewenden lassen. * * * be|wẹn|den 〈V. intr.; nur in den Wendungen〉 …   Universal-Lexikon

  • bewenden — be·wẹn·den nur in es bei / mit etwas bewenden lassen etwas nicht bis zur letzten Konsequenz verfolgen: Der Angeklagte konnte froh sein, dass es das Gericht bei / mit einer Geldstrafe bewenden ließ und ihn nicht zu einer Haftstrafe verurteilte …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • bewenden — be|wẹn|den; nur in es bei etwas bewenden lassen …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Bewenden — Be|wẹn|den, das; s; es hat dabei sein Bewenden (es bleibt dabei) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • bewenden — bewende …   Kölsch Dialekt Lexikon

  • Es bei \(seltener auch: mit\) etwas bewenden lassen —   Die Wendung besagt, dass man es mit etwas genug, gut sein lässt, etwas als abgetan, erledigt betrachtet: Wir wollen es diesmal bei einer Geldstrafe bewenden lassen. Du kannst es bei dem freundlichen Anruf bewenden lassen. Ein schriftlicher Dank …   Universal-Lexikon

  • Damit mag \(auch: soll\) es sein Bewenden haben —   Die Redewendung steht gleichbedeutend für »damit soll es genug sein«: Mit der dreimonatigen Sperre sollte es noch nicht sein Bewenden haben …   Universal-Lexikon

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